Stammt dieses Leder von einer glücklichen Kuh? Sie werden lachen: Wenn ich für unsere Logbücher ein neues Leder aussuche, sehe ich schnell, ob das Tier ein glückliches Leben auf der Weide hatte.

 

Ein unverzichtbarer Begleiter

Leder ist ein Naturprodukt, etwas gewachsenes, etwas Echtes. Und so vielseitig wie das Leben selbst.

Vielseitig in der Art und vielfältig in den Verwendungsmöglichkeiten. Leder ist seit Jahrtausenden bewährt und in unzähligen Facetten zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden. Kaum ein Lebensbereich, wo Leder nicht eine wichtige Rolle spielte.

Angefangen bei der Bekleidung, von Schuhen, Sandalen und Stiefeln bis hin zum Gürtel und zum Uhrenarmband, von der Schürze bis zu Jacke und Mantel, als unverzichtbarer Begleiter wie Beutel, Portemonnaie, Taschen und Bucheinband.

Leder wird auch für Hundeleinen genutzt, als Zaumzeug oder als Sattel. Geschichtlich gesehen beim Lederbezogenen Schild der römischen Legionäre bis zum Wigwam der Indianer. Leder war und ist ein unübertroffener Werkstoff in allen Bereichen des Alltags und ist letztlich nicht wegzudenken und auch nicht ohne weiteres zu ersetzen. 

 

Der Schöpfer war der erste Gerber

Die Idee, die Haut von Tieren zu verwenden und zu verwerten ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon am Anfang der Bibel werden Adam und Eva, nachdem Sie der Schlange auf dem Leim gegangen sind, von Gott selbst mit „Fellen bekleidet“. 

Gewissermaßen war Gott dann also höchstpersönlich so etwas wie der erste Gerber, denn um eine Tierhaut oder ein Fell verwendbar zu machen muss es gegerbt, also haltbar gemacht werden.

Letztlich ist Leder eine Art von „Resteverwertung“. Keine Kuh, kein Schaf und keine Ziege stirbt wegen des Leders. In erster Linie geht es ums Fleisch und die Haut ist da eher ein Übrigbleibsel, das man noch einer sinnvollen Verwendung zuführen kann, gewissermaßen könnte man also auch von einer Art von „upcycling“ sprechen.

 

Leder hat Charakter und einen unverwechselbaren Stil

Grundlage ist immer eine Tierhaut, und wie das Leben so spielt gleicht auch hier keine Kuh der anderen und somit auch keine Haut der anderen. Größe, Struktur, Farbe und Oberfläche sind nie ganz identisch. Und gerade dies ist auch das Besondere vom Leder.

Es ist ein Naturprodukt, es hat Charakter, es ist unverwechselbar und hat Stil. Und wie überall im Leben, hinterlässt das Leben auch hier Spuren. Kleine Verletzungen, Risse an Hecken oder Zäunen, führen zu Narben, die auch noch im fertigen Leder sichtbar sind. 

Zusammen mit Falten, mit Adern, die sich in der Oberfläche abzeichnen und Unterschiede in der Struktur der Oberfläche, gelten solche Narben als „Naturmerkmale“. Sie sind gewissermaßen sogar etwas wie ein „Echtheitszertifikat“ für echte Natur. Und Jede Narbe und jede Falte erzählt auch etwas vom Leben, von der Vergangenheit, von dem was das Tier erlebt hat. 

 

Lebte die Kuh auf einer saftigen Weide?

War es eine „glückliche Kuh“, die auf saftigen Weiden grasen durfte und sich dabei aber manche kleine Blessuren an Hecken und Zäunen zugezogen hat oder stand sie in engen, sterilen, glatten Boxen und Ställen, dafür aber  mit „unbeschadeter“  Haut? War die Kuh „glückliche“ Mama oder stammt die Haut von einem jungen Kalb.

 Alles dies – und vieles mehr – hat Einfluss auf die Haut und die Art des Leders. Gerade dies macht es auch bei der Verarbeitung spannend. Neben der unregelmäßigen Form, was ein gutes „Augenmaß“ erfordert, damit man das Leder auch möglichst gut ausnützen kann, sind es auch diese Naturmerkmale, die viel Erfahrung erfordern. 

 

Auf das Auge und den Zuschnitt kommt es an

Man kann nicht einfach „drauf los schneiden“. Es ist immer die Frage: „was darf noch drin sein im Zuschnitt“ und was nicht mehr. Was ist noch ein Naturmerkmal und was ist ein „Fehler“, der nicht mehr tragbar ist. Was möchte der Kunde? Hat er Verständnis für diese Art von Unterschieden oder sucht er eher eine „perfekte“ Oberfläche?

Was passt zu welchem Produkt. Was ist in welchem Bereich noch akzeptabel, „was passt“ und „wo passt es nicht mehr“. Dies ist nicht immer leicht zu entscheiden und die Grenzen sind auch oft fließend. 

Aber gerade dies macht Leder auch zu einem unverwechselbaren, einzigartigen Werkstoff. Ein Stoff aus dem phantastische Produkte gemacht werden, mit Eigenheiten, mit Charakter, mit Charme, unverwechselbar, 100% Natur und durch und durch echt – so wie auch der Besitzer.